Erhält künstliche Intelligenz einen Körper, ggf. sogar einen humanoiden, werden zwangsläufig Themen wie Safety und Security neu aufgeworfen. Aber auch unter rechtlichen und ethischen Gesichtspunkten ist die Einführung von intelligenten humanoiden Robotern, die zu Autonomie fähig sind, diskussionswürdig.
Künstliche Intelligenz befähigt Roboter, immer autonomer Entscheidungen zu treffen und Handlungen auszuführen. Vor allem wenn wir in der nahen Zukunft auch mit dem Einsatz von humanoiden Robotern rechnen, kommen bei den Themen Safety und Security einige Herausforderungen auf uns zu.
Denn das Axiom der Industrierobotik „ein gestoppter Roboter ist ein sicherer Roboter“ gilt bei humanoiden Robotern nicht mehr. Da sich ein autonomer Humanoider frei bewegt, gibt es kein Sicherheitssystem – wie Zaun oder Lichtschranke –, das vor einer Kollision warnen könnte. Ein Notaus führt bei einem Humanoiden, der seinen Schwerpunkt unentwegt ausbalancieren muss, zum unkontrollierten Fall, was eine hohe Verletzungsgefahr für das belebte Umfeld des Roboters mit sich bringt. Hier müssen Normen und Richtlinien entworfen und ausgebaut werden, um für einen zukünftigen sicheren Einsatz zu sorgen.
Auch Security ist und bleibt ein Thema, wenn Roboter nicht nur immer mehr mit KI ausgestattet werden, sondern auch immer vernetzter innerhalb einer Fabrik der Zukunft agieren. Einfalltore für Cyberkriminalität müssen frühzeitig erkannt und gesichert werden. Dazu gehören z.B. Einrichtungen, die die Fernwartung vereinfachen, historisch gewachsene Systeme mit ungesicherten Komponenten oder Software-Updates.
Des Weiteren sollte die rechtliche Perspektive nicht außer Acht gelassen werden, wenn es darum geht, Robotern durch künstliche Intelligenz immer mehr Autonomie zuzugestehen. Da steht vor allem die Frage nach der Verantwortlichkeit im Raum. Hat ein intelligenter Roboter eine Fehlfunktion oder kommt es gar zu einer gefährlichen Kollision, wer haftet dann? Der Roboterhersteller, der Programmierer, das Unternehmen, das den Roboter einsetzt? Dies wird sicherlich für jeden Einzelfall eine kompliziert zu prüfende Angelegenheit sein.
Die erste ethische Fragestellung stellt sich allerdings umgehend, wenn wir uns dem Datenschutz zuwenden. Intelligente Roboter der Zukunft verfügen mit Sicherheit über Kameras, Mikrofone, Gesichtserkennung, Standortdaten oder biometrische Sensoren. Abseits vom industriellen Einsatz können sie insbesondere in Wohnungen, Krankenhäusern oder Schulen intime Informationen erfassen. Problematisch ist hier, sicherzustellen, dass betroffene Personen überhaupt umfänglich informiert werden. Bedenkt man, wie viele Menschen täglich in Krankenhäusern oder Schulen unterwegs sind. Und wie sollen wir sicherstellen, dass diese dann wirksam widersprechen können? Hier bedarf es einer gesetzlichen Regelung zur Erfassung und Speicherung der Daten und Reglementierungen für den Einsatz solcher Roboter. Z.B. die Frage betreffend, ob und wo die erfassten Daten gespeichert werden. Ist es möglich, sie auf dem Roboter lokal zu speichern oder ist es zwingend nötig, diese über Cloudserver zu verarbeiten?
Darüber hinaus muss ein ethisch vertretbarer Roboter über seinen gesamten Lebenszyklus betrachtet werden, und zwar auch in Bezug auf ökologische Gesichtspunkte. Wie können alle Materialien zur Konstruktion auf ethische Weise gewonnen werden und wie anschließend wieder recycelt? Hier gilt es, entsprechende Konzepte auszubauen und weiterzuentwickeln.
Dann spielt natürlich wiederum das Thema Demokratisierung eine Rolle, mit dem ich mich aus dem technischen Blickwinkel bereits in einem anderen Blogbeitrag beschäftigt habe. Wenn z.B. nur wohlhabende Menschen oder Länder leistungsfähige Assistenz- und Medizinroboter nutzen können, können sich bestehende Ungleichheiten verschärfen. Gleichzeitig könnten Länder mit schwächeren Sicherheits- und Arbeitsstandards zum Testfeld riskanter Systeme werden.
Das führt mich zu einem Punkt, der für die meisten Menschen besonders beängstigend sein dürfte: eine mögliche militärische Nutzung von autonom agierenden Robotern. Welches Ausmaß Kriege annehmen können, in denen militärische Entscheidungen von künstlicher Intelligenz getroffen und anschließend in entsprechender Verkörperung auch noch ausgeführt werden, das wollen wir lieber nicht weiter vertiefen. Aber auch im nicht-militärischen Kontext können Roboter, insbesondere humanoide, für Menschen beängstigend sein. Sie müssen ihre Absichten klar kommunizieren können, z.B. durch Lichtsignale oder Sprache. Auch eine moderne Interpretation der Asimov’schen Robotergesetze sind eine Herangehensweise. Sie besagen in ihrer ursprünglichen Form, dass die oberste Maxime des Roboters sein sollte, er darf Menschen keinen Schaden zufügen. Außerdem muss er menschlichen Befehlen gehorchen, sofern sie der ersten Maxime nicht widersprechen. Der Roboter darf sich drittens nur selbst schützen, solange dies die ersten beiden Gesetze nicht gefährdet. Damit stellte Asimov 1942 bereits ethische Grundlagen auf, die für unsere Sicherheit sorgen sollten. Hiermit entfernen wir uns allerdings weit vom derzeitigen Stand physikalischer KI.
Am Ende ist der entscheidende Unterschied zu rein digitaler KI: Physical AI handelt in einer Welt mit Körpern, Gefahren, Machtverhältnissen und irreversiblen Folgen. Deshalb genügt es nicht, nur über Präzision und Leistung zu sprechen, wir müssen auch die Auswirkungen auf Menschen, Institutionen und Umwelt diskutieren und bewerten. Und dazu gehört es, ethische Gesichtspunkte nicht erst nach der Konstruktion und Produktion von Robotern zu berücksichtigen, sondern von Anfang an mitzudenken.
Frauke Itzerott
Frauke Itzerott ist Chefredakteurin des Fachmagazins ROBOTIK UND PRODUKTION beim TeDo Verlag und verantwortet dort die inhaltliche Ausrichtung eines der führenden deutschsprachigen Medien zu industrieller Robotik und Automatisierung.