Inline-Sensorik kann in nahezu jeder Branche eingesetzt werden – tut es aber noch längst nicht überall. Besonders in kleinen und mittleren Unternehmen fehlt es oft nicht am Interesse, sondern am Zugang: zu Wissen, zu erprobten Ansprechpartnern, zu einer gemeinsamen Sprache mit Technologieanbietern. Ein Netzwerk hilft – das hat SINOPES gezeigt.
Das bayerisch-österreichische INTERREG-Projekt hat von Februar 2023 bis Februar 2026 Inline-Messtechnik und zerstörungsfreie Prüfung (NDT) aus der Domäne der Großunternehmen herausgeholt und KMU beiderseits der Grenze einen praxisnahen Einstieg ermöglicht. Beteiligt waren die Strategische Partnerschaft Sensorik e.V., Business Upper Austria, RECENDT, das Fraunhofer Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT) und FORWISS der Universität Passau.
Was konkret entstanden ist
In drei Jahren hat das Netzwerk eine Reihe belastbarer Infrastrukturen aufgebaut. Entstanden ist ein Marktüberblick über Anbieter, Berater und Experten im bayerisch-österreichischen Grenzraum, mittlerweile in der dritten Auflage. Dazu kommt eine kuratierte Sammlung wissenschaftlicher Veröffentlichungen zur Inline-Sensorik sowie ein Glossar – damit Unternehmen, die neu ins Thema einsteigen, schnell auf einer gemeinsamen Begriffsbasis mit Technologieanbietern und Forschungseinrichtungen kommunizieren können.
Über 30 Veranstaltungen – Expertenworkshops, technische Deep-Dives, Stammtische – haben Anbieter und Anwender in direkten Kontakt gebracht. Eine breit angelegte Bedarfserhebung unter produzierenden Unternehmen lieferte dabei klare Erkenntnisse: Inline-Sensorik wird zunehmend als zentraler Datenzulieferer für Industrie-4.0-Architekturen verstanden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Prozessoptimierung heute eng mit Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeitszielen verknüpft ist – und dass Branchen wie Lebensmittelwirtschaft oder Holzwirtschaft erhebliches, bislang kaum genutztes Potenzial mitbringen.
Warum Inline-Sensorik für KMU eine andere Aufgabe ist
Direkt in die Produktionslinie integrierte Sensoren erfassen kontinuierlich Produktkennwerte wie Geometrie oder Füllstand, Qualitätsparameter wie Risse oder Materialeigenschaften sowie Prozessgrößen wie Temperatur, Druck oder Durchfluss. Statt Stichproben wird eine lückenlose 100%-Kontrolle möglich – inklusive vollständiger Rückverfolgbarkeit. Ausschuss wird früher erkannt, Wartung kann vorausschauend geplant werden, Energie- und Rohstoffverbrauch sinkt.
Das klingt überzeugend – und ist für große Fertigungsbetriebe oft schon Alltag. Für KMU ist die Hürde eine andere: Nicht mangelndes Interesse, sondern mangelndes Know-how bei der Auswahl geeigneter Systeme, der Integration in bestehende Prozesse und der Bewertung von Anbietern steht einer breiteren Anwendung im Weg. SINOPES hat genau dort angesetzt – mit praxisnahen Trainings, individueller Begleitung von Integrationsprojekten und einem Netzwerk, das Fragen ohne Verkaufsdruck beantworten kann.
Was bleibt
Das Projekt ist abgeschlossen, das Netzwerk nicht. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Cluster aus Bayern und Österreich haben in drei Jahren gemeinsam Wissen aufgebaut und eine Infrastruktur für den grenzüberschreitenden Technologietransfer geschaffen, die weiterhin genutzt wird. Trainingsangebote, technische Beratung und der Marktatlas stehen weiter zur Verfügung. Der SINOPES-Stammtisch im Juni auf der SENSOR+TEST im Rahmen unseres Gemeinschaftsstands ist die nächste Möglichkeit, das Netzwerk kennenzulernen.
Zu Marktüberblick, Wissen & Praxis, Glossar geht es hier.
Stefanie Fuchs
Stefanie Fuchs ist Geschäftsführerin der Strategischen Partnerschaft Sensorik e.V. und der Sensorik-Bayern GmbH. Mit rund 20 Jahren Erfahrung im Aufbau interdisziplinärer, cross-sektoraler Netzwerke gestaltet sie Projekte zur Förderung intelligenter, vernetzter Sensortechnologien.