Autor: Mathis Bayerdörfer / Chefredakteur Robotik und Produktion 

Der Cobot und das Fax

Nach wie vor sind Cobots in der Robotik das dominierende Trendthema. Das Interesse auf Anwenderseite ist gewaltig. Infolgedessen kommen immer mehr solcher Kinematiken auf den Markt – und in die Anwendung. Wenngleich auch nicht ganz im Sinne des Erfinders. Doch was hat das jetzt eigentlich mit dem Fax zu tun?

Für den selbsternannten Hightech-Standort Deutschland war es schon etwas beschämend, als während der ersten Corona-Wellen bekannt wurde, dass die hiesigen Gesundheitsämter untereinander noch per Fax kommunizieren. Doch eigentlich tut man der guten alten Fernkopie mit dieser Gefühlslage Unrecht. Denn dem jahrzehntelangen Abgesang zum Trotz geht das Leben der Faxe weiter, wenn auch eher im Stillen. Ursächlich dafür ist mitnichten die Langsamkeit der Behörden, sondern die zentralen Eigenschaften des Faxes: Sicherheit und Verlässlichkeit.

Geht es um Finanzen oder Versicherungen, den Kauf eines Hauses oder eben Daten im Gesundheitswesen, dann wird auch heute noch gefaxt wie wild. Das belegt eine Studie des Anbieters eFax unter mehr als 1.000 Entscheidern in Großunternehmen, KMUs sowie im öffentlichen Sektor. Allerdings nutzt nur noch ein geringer Anteil der Befragten traditionelle Faxgeräte. Die überwiegende Mehrheit setzt auch oder ausschließlich auf digitale Lösungen zum Faxen – also auf neue Technologien.

Und genau hier lässt sich die Parallele zu den Cobots ziehen. Die neue Robotertechnologie kommt beim Anwender gut an – egal ob Kraft/Momenten-Sensorik, intuitive Programmiermethoden oder der Preis- und Größenvorteil gegenüber klassischen Kinematiken. Trotzdem wird sie nur in den allerwenigsten Fällen für eine direkte Mensch/Roboter-Kollaboration (MRK) eingesetzt. Warum? Auch hier sind Sicherheit und Verlässlichkeit die Killer-Kriterien. Ohne diese Attribute geht es in der Produktion einfach nicht. Bevor man sich auch nur dem geringsten Risiko aussetzt, kommen eben doch traditionelle Schutzvorrichtungen zum Einsatz – um die Gesundheit der Mitarbeiter nicht zu gefährden oder um die Produktivität der Anlage sicherzustellen.

Es bedarf weiterer Entwicklungen, damit künftig zahlreiche Roboter wirklich Hand in Hand mit dem Menschen arbeiten. Doch der Weg in dieser Richtung ist eingeschlagen und die Begeisterung für die neue Robotersorte ungebrochen. Das haben die bisherigen Messen in diesem Jahr gezeigt. Nicht nur in der B4 auf der Automatica, der Halle der jungen Wilden, waren Cobots bzw. Leichtbauroboter omnipräsent. Auch quer durch die anderen Messehallen und Messen gab es eine Vielzahl entsprechender Neuheiten zu sehen. Einige davon werden sicherlich auch auf den kommenden Stationen der All About Automation zu sehen sein – live und zum anfassen.

Mathis Bayerdörfer

Chefredakteur Robotik und Produktion

in Kooperation mit unserem Premium Medienpartner Robotik und Produktion

ROBOTIK UND PRODUKTION